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Anspruch und Wirklichkeit: Ist SAP-Chef Christian Klein selbst ein Top-Performer?

Mit seiner Bemerkung "Nicht jeder ist ein Top-Performer" zieht SAP-Chef Christian Klein den Unmut auf sich. Golem misst ihn an seinem eigenen Anspruch.
/ Achim Sawall
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SAP-CEO Christian Klein spricht am 20. April 2026 auf der Hannover-Messe. (Bild: REUTERS/Lisi Niesner/Archivbild)
SAP-CEO Christian Klein spricht am 20. April 2026 auf der Hannover-Messe. Bild: REUTERS/Lisi Niesner/Archivbild

SAP-Chef Christian Klein meint, Bevölkerung und Beschäftigte in dem Softwarekonzern noch mehr unter Druck setzen zu können. "Die Wahrheit ist: Nicht jeder ist ein Top-Performer", sagte er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung(öffnet im neuen Fenster). Sich selbst scheint Klein aber für einen Top-Performer zu halten, trotz massiver Kritik an seiner Person. Wir messen Klein an dem Anspruch, nie mehr von anderen zu verlangen, als man selbst doppelt und dreifach zu geben bereit ist.

Die Konzernführung durch Klein war von zahlreichen Umbesetzungen im Vorstand geprägt. Beginnend mit der schnellen Beendigung der Doppelspitze mit Jennifer Morgan bis hin zu Verabschiedungen weiterer Vorstandsmitglieder. Kritiker sehen darin eine große Führungsschwäche von Klein. Ist Klein kein Teamplayer?

Ein weiterer Kritikpunkt: SAP ist bei grundlegenden KI-Modellen stark auf US-Partner wie Microsoft, Anthropic oder Nvidia angewiesen, anstatt als größter Hersteller von Unternehmenssoftware eigene Grundlagenmodelle zu entwickeln.

Hire-and-Fire-Mentalität und Qualität der SAP-Produkte

Der Betriebsrat kritisiert zudem, dass der massive Stellenabbau bei SAP teils mit schwer messbaren oder überzogenen KI-Produktivitätsversprechen gerechtfertigt wurde, etwa einer angeblichen 30-prozentigen Effizienzsteigerung der Entwickler. Man warnt vor einer zunehmenden Hire-and-Fire-Mentalität.

Klein sagte tatsächlich: "Wenn jeder plötzlich ein Talent ist, schafft man die Leistungskultur ab." Es müsse möglich sein, den Finger in die Wunde zu legen und Leistung kritisch anzusprechen. Wie im Sport brauche es auch in der Wirtschaft eine Leistungskultur. Tendenzen, in Deutschland etwa "die Bundesjugendspiele abzuschaffen, nur weil die Kinder und Jugendlichen davon angeblich Schaden davontragen", sehe der Manager kritisch.

Mit Blick auf die Gefahr, dass sich Europa bei der künstlichen Intelligenz (KI) in Abhängigkeit von den USA befindet, sagte Klein: "Wir müssen schnell agieren, niemand in den USA oder China wartet auf uns. Sie wollen uns alle schlagen." Deshalb müssten europäische Unternehmen bei angewandter KI vorangehen. Doch welchen Beitrag leistet SAP hier unter Kleins Führung?

Aktie verliert seit Monaten an Wert

Wegen der neuen KI-Konzerne steht SAPs Geschäftsmodell unter Druck, die Aktie verliert seit Monaten an Wert. SAP will gegensteuern, indem es 400 bis 500 neue Data Scientists einstellt. Durch KI werde etwa die Softwareentwicklung um 30 Prozent produktiver, wiederholte der SAP-Boss. "Kann man einen Stellenabbau komplett ausschließen? Nein, das wäre auch nicht ehrlich." Aktuell beschäftigt SAP etwa 112.000 Menschen weltweit.

Und aktuell, Herr Klein? Gemeinsam mit der Telekom entwickelt SAP im Auftrag des Bundesdigitalministeriums die Bürger-App, über die man künftig etwa Wohnsitz oder Auto an- oder abmelden können soll. Angesprochen auf die Verzögerung sagte Klein: "Die Technologie war übrigens auch schon vor zehn Jahren für eine solche App vorhanden." Die App versucht, bestehende uneinheitliche Verwaltungswebseiten per KI oder Schnittstellen anzuzapfen. IT-Experten bemängeln, dass dies teure Doppelstrukturen schaffe. Zudem überschneiden sich Funktionen teils mit anderen Diensten, wie den Plattformen der Sozialministerien.

Corona- und Bürger-App unter Kleins Führung

Klein bewies bereits bei der Corona-App, dass er sich mit Kosteneffizienz nicht auskennt. Die Gesamtkosten für Entwicklung, kontinuierliche Updates, Marketing und vor allem den laufenden Betrieb bei Infrastruktur und Hotlines summierten sich über die Jahre auf weit mehr als 100 bis 200 Millionen Euro. Kritiker betonten(öffnet im neuen Fenster), dies sei eine der teuersten Apps der Welt gewesen.

Wir leben in Zeiten, in denen sich arrogante Eliten wie Friedrich Merz immer häufiger trauen, sich herablassend über arbeitende Menschen zu äußern. Ob sie ihre eigene Position damit angesichts zunehmender Streiks und Massenproteste festigen, wird sich noch zeigen.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)


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