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Halbjahresbericht: 1&1 verschlechtert Verträge und verliert 150.000 Kunden

United Internet und die Telco-Tochter 1&1 geben weiter wenig für den Mobilfunk-Ausbau aus. Angaben zu Masten- und Antennenzahlen fehlen komplett.
/ Achim Sawall
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Vodafone Deutschlandchef Marcel de Groot (Bild: Vodafone Deutschland)
Vodafone Deutschlandchef Marcel de Groot Bild: Vodafone Deutschland

Die United-Internet-Tochterfirma 1&1 hat ihren Umsatz im ersten Halbjahr um 1,6 Prozent auf rund 2,3 Milliarden Euro gesteigert. Das gab das Unternehmen am 6. August 2026 bekannt(öffnet im neuen Fenster). Dabei lag der Serviceumsatz mit rund 1,8 Milliarden Euro gut ein Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum.

Im Frühjahr wurden laut Konzernchef Ralph Dommermuth die Vermarktung besonders günstiger Tarife eingestellt und bei höherpreisigen Tarifen das inkludierte Datenvolumen gesenkt. Deswegen verlor 1&1 im ersten Halbjahr rund 150.000 Mobilfunkverträge. Allein im April seien 100.000 Verträge gekündigt worden.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wuchs um rund fünf Prozent auf 383 Millionen Euro. Der Verlust im Bereich Enterprises & Networks, in dem 1&1 Kosten für den Ausbau und Betrieb des Mobilfunk- und Glasfasernetzes verbucht, ging zurück. Der Konzerngewinn von 1&1 sank wegen höherer Kosten um rund 60 Prozent auf 30,5 Millionen Euro.

Gewinn wuchs um fast 23 Prozent auf 126,5 Millionen Euro

Finanzchef Carsten Theurer sagte, der Bereich Sachanlagen, in dem die Investitionsausgaben in den Netzausbau verbucht würden, sei auf 283,6 Millionen Euro leicht gefallen. Im ersten Halbjahr 2025 lagen die Ausgaben noch bei 297 Millionen Euro. Das ist für ein Unternehmen, das ein Mobilfunknetz komplett neu aufbaut, ein sehr geringer Betrag. Zum Vergleich: Die Deutsche Telekom investiert jährlich Milliardenbeträge in ihre Infrastruktur.

Der Umsatz von United Internet stieg im ersten Halbjahr um gut drei Prozent auf rund 3,1 Milliarden Euro. Die Zahl der Kundenverträge stieg um 550.000 auf knapp 30,3 Millionen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg um gut fünf Prozent auf 676 Millionen Euro. Der Gewinn wuchs um fast 23 Prozent auf 126,5 Millionen Euro. Hintergrund war dabei ein Steuervorteil: United Internet hatte Ende 2025 sein Telekommunikationsgeschäft in 1&1 zusammengelegt.

Übernahme von Versatel durch 1&1 war ein Steuerspardeal

Dazu übernahm 1&1 die Glasfasersparte 1&1 Versatel von United Internet für rund 1,3 Milliarden Euro. Theurer sagte, "die Anbindung an den Organkreis führt dazu, dass wir erheblich weniger Steuern zahlen".

Dommermuth bestätigte den Jahresausblick 2026 und betonte, dass der Netzausbau planmäßig verlaufe. In seiner Präsentation und der des Finanzchefs wurden keine neuen Angaben zu Masten- und Antennenzahlen genannt. Nach früheren Unternehmensangaben waren zum Jahreswechsel nur rund 2.000 Antennenstandorte aktiv. Ohne eingekauftes National Roaming im Netz von Vodafone könnte 1&1 seine Mobilfunkkunden nicht bedienen.

25 Prozent der Haushalte sind leicht abzudecken

1&1 hatte die Ausbauauflage für Ende 2022 massiv verfehlt. Vorgeschrieben waren damals 1.000 aktive 5G-Basisstationen, 1&1 hatte zum Stichtag nur 5 Standorte am Netz. Die Bundesnetzagentur leitete später ein Bußgeldverfahren ein, bei dem bis zu 50 Millionen Euro drohten. Ende 2025 musste die Behörde das Verfahren einstellen. Grund war ein Urteil des Verwaltungsgerichts Köln, welches das Bundesverwaltungsgericht bestätigte: Das Verkehrsministerium unter Andreas Scheuer hatte 2019 rechtswidrig Einfluss auf die Ausarbeitung der damaligen Frequenzauktionsregeln genommen. Weil die Vergabeentscheidungen rechtlich angreifbar waren, entfiel die Grundlage für das Bußgeld.

Die regulatorische Vorgabe, bis Ende 2025 mindestens 25 Prozent der deutschen Haushalte mit dem eigenen Netz zu erreichen, übertraf 1&1 nach eigenen Angaben fristgerecht knapp. Aktuell werden 27 bis 29 Prozent angegeben. Bis Ende 2030 muss 1&1 mindestens 50 Prozent der Haushalte in Deutschland mit dem eigenen Netz abdecken.

25 Prozent der Haushalte können bereits mit Antennenstandorten in wenigen dicht besiedelten Großstädten abgedeckt werden. Das Netz auf dem Land ist weiter fast komplett vom Roaming-Partner Vodafone abhängig.


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