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Nutzername: Fehlendes Zeichen bringt Unschuldigen für 18 Monate ins Gefängnis

Ein Kanadier verbrachte unschuldig 1,5 Jahre im Gefängnis. Die Polizei hatte beim Kik-Nutzernamen eines gesuchten Straftäters ein Zeichen verschluckt.
/ Marc Stöckel
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Ein unschuldiger Mann musste aufgrund eines Fehlers der Polizei monatelang ins Gefängnis. (Bild: pexels.com / Ron Lach)
Ein unschuldiger Mann musste aufgrund eines Fehlers der Polizei monatelang ins Gefängnis. Bild: pexels.com / Ron Lach

Ein Mann aus dem kanadischen Neuschottland saß für 18 Monate unschuldig im Gefängnis, weil er bei einem Onlinedienst einen Nutzernamen gewählt hatte, der dem eines gesuchten Straftäters sehr ähnlich war. Wie Ars Technica berichtet(öffnet im neuen Fenster), suchte die Polizei nach einem Mann, der bei dem Messengerdienst Kik unter dem Namen fus__ro_dah registriert war. Dabei ging jedoch ein Zeichen verloren, so dass der Verdacht auf die falsche Person fiel.

Anstelle von fus__ro_dah suchte die kanadische Polizei nach dem Nutzer fus_ro_dah. Es fehlte also im Nutzernamen ein zweiter Unterstrich zwischen fus und ro. 2020 verhafteten die Behörden den Kik-Nutzer(öffnet im neuen Fenster) hinter diesem Namen, weil er Bilder mit sexuellen Inhalten an Minderjährige geschickt haben soll.

Dem Mann wurde vorgeworfen, 2018 über Monate hinweg mit einem 12-jährigen Mädchen aus Wisconsin geschrieben und ihr anstößige Fotos geschickt zu haben. Nachdem die Mutter des Mädchens dies der Polizei gemeldet hatte, wurde das Gerät der 12-Jährigen durchsucht. Dabei stellten die Ermittler fest, dass das Mädchen 125 Nachrichten mit dem verdächtigen Nutzer fus__ro_dah ausgetauscht hatte.

Trotz fehlender Beweise verurteilt

Die Polizei wollte daraufhin Nutzerdaten des Tatverdächtigen anfordern, reichte jedoch in der zugehörigen Anfrage an Kik versehentlich den Nutzernamen fus_ro_dah durch. Daraufhin lieferte der Messengerdienst die E-Mail-Adresse dieses Nutzers, welcher anschließend über die IP-Adresse, mit der er auf Google-Dienste zugegriffen hatte, ausfindig gemacht werden konnte.

Die Einsatzkräfte nahmen den Verdächtigen daraufhin fest. Obwohl bei der Durchsuchung seiner Geräte keine Beweise für die angeblichen Straftaten gefunden wurden, befand ein Gericht den kanadischen Mann 2023 für schuldig und ordnete eine Haftstrafe im Umfang von 18 Monaten an, die er laut Bericht auch vollständig absaß.

Ein reichlich später Freispruch

Nach seiner Entlassung ging der Kanadier gegen das Urteil in Berufung. Erst bei der Vorbereitung auf diesen Berufungsprozess fiel auf, dass die Polizei bei der Angabe des Nutzernamens gegenüber Kik einen Unterstrich vergessen hatte. "Diese Unstimmigkeit blieb während des Prozesses völlig unbemerkt. Sie wurde dem vorsitzenden Richter zu keinem Zeitpunkt zur Kenntnis gebracht", erklärte der Betroffene.

Das zuständige Berufungsgericht sprach den Kanadier daraufhin in allen Anklagepunkten frei. Der Mann sei "faktisch unschuldig in Bezug auf die Straftaten. Er hätte niemals angeklagt, geschweige denn verurteilt werden dürfen", heißt es in den Gerichtsdokumenten(öffnet im neuen Fenster). Die Spur des tatsächlichen Täters führte den Angaben zufolge zu einem Mann aus Kalifornien.


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